Und was willst du mal damit machen? Das ist wohl die häufigste Frage die man gestellt bekommt wenn man erzählt, dass man Kunstgeschichte studiert, Vielen Menschen scheint es äußerst suspekt zu sein warum man außgerechnet dieses Fach gewählt hat, wo man doch mit BWL definitiv mehr Geld verdienen kann und mit Lehramt sichere Jobaussichten hat. (Ganz abgesehen von der Frage "Und was malst du so?" - aber das ist ein anderes Thema ...)
Mit Kunstgeschichte kann man nicht reich werden und die Zukunftsplanung ist vielleicht nicht die leichteste. Aber damit sind wir Kunstgeschichtler nicht allein. Dafür haben wir etwas, was nicht jeder behaupten kann: nämlich Spaß an dem, was wir tun. Wir studieren unser Hobby - und das mit Leidenschaft. Und ist nicht Begeisterung unser größter Besitz?
Ich für meinen Teil liebe mein Studium. Und bin überzeugt, dass mir das einen unglaublichen Vorteil verschafft. Wenn man hinter den Dingen steht die man tut eröffnen sich immer Perspektiven. Begeisterung steckt an, öffnet Türen und ungeahnte Möglichkeiten. Auch in der Arbeitswelt. Mit genügend Selbstbewusstsein der eigenen Sache gegenüber überzeugt man auch sein Gegenüber.
Warum also sollte die Zukunft uns Kunsthistorikern weniger Chancen bieten als jedem anderen? Natürlich ist es von Vorteil zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Oder aber wir schaffen uns unsere Arbeitsplätze selbst. Nur weil die Museen zunehmend kürzen und einsparen müssen heißt das nicht, dass es keine Arbeitsplätze mehr für uns gibt. Längst sind nicht alle Bereiche ausgeschöpft und viele Optionen existieren schlichtweg noch gar nicht. Es gäbe noch soviel ins Leben zu rufen!
Warum gibt es keine Initiative, die sich für gerechte Löhne einsetzt und für die Förderung von Familienfreundlichkeit in kunsthistorischen Arbeitsfeldern. das zum Beispiel wäre zu organisieren. Und auch das Ausstellungswesen hat sich längst selbst überholt. Wohin mit all den jungen talentierten Künstlern welche die Akademien verlassen? Für diese wären neuartige, von Menschen mit Fachwissen betreute Ausstellungsmöglichkeiten vonnöten. oder gleich ganz neue Konzepte der Präsentation und des Verkaufs. Nur die Ideen fehlen noch...
Und ist es nicht an der Zeit die etablierten Kunstwelt weiterzuentwickeln? Neue Konzepte für Museen zu erdenken die auch vermehrt junges Publikum anziehen. Denn dieses ist schließlich die Zukunft der kulturellen Landschaft. Und auch und gerade der Kunstmarkt sollte sich zunehmend von seinem Sockel begeben und gerade junge und durchschnittlich verdienende Menschen ansprechen. Sonst wird er sich vermutlich bei Gelegenheit selbst begraben. Institutionen wie die Affordable Art Fair sind erste Schritte in diese Richtung. Dort folgt man dem Konzept, dass kein Werk mehr als 5.000 Euro kosten darf (was immer noch viel ist... ).
Es bleibt viel zu tun. Deshalb seit offen und gestaltet die Kunstwelt nach euren Wünschen und Vorstellungen. Schließlich besteht sie aus denjenigen, welche sie tragen, nämlich uns.
Freitag, 7. Juni 2013
Montag, 3. Juni 2013
Das Märchen vom Scherenschnitt
![]() |
Was ist es bloß das den Scherenschnitt zu einer in der aktuellen Kunst zunehmend beliebten Arbeitsweise macht? Immer häufiger wird er von Künstlern aufgegriffen, immer detaillreicher und ausufernder werden die Werke...
Groß gefeiert wurde er zuletzt 2011 in der Hamburger Kunsthalle mit der Ausstellung "Cut. Scherenschnitte von 1970 - 2010. Dort wurde gezeigt wie Künstler wie Olaf Nicolai, Kara Walker, Felix Droese und viele weitere das Medium, welches bereits bei Philip Otto Runge seine Blüte erfuhr, aufgreifen und modernisieren.
Unabhängig davon widmet sich auch die japanische Künslerin Nahoko Kojima Schere und Papier und erschafft filigrane Meisterwerke, die durch ihren Detailreichtum und die unglaubliche Feinheit der Ausführung bestechen.
![]() |
Insofern lässt sich wohl zurecht sagen: und wenn sie nicht gestorben sind dann schneiden sie noch heute... ich bin gespannt wie sich der "Cut" weiterentwickeln wird!
Infos gibt es hier:
http://www.thisiscolossal.com
http://www.hamburger-kunsthalle.de
Abbildungen:
http://www.thisiscolossal.com
Kann man Geschmack lernen? Gustav Pazaurek und die "bösen Dinge"
Doch kann man guten Geschmack wirklich lernen? Pazaurek glaubt daran und entwirft einen Kriterienkatalog. Außerdem veranschaulicht er seine Erkenntnisse in seiner 1909 im Stuttgarter Landgewerbemuseum eröffneten Abteilung der Geschmacksverirrungen. Als Mitglied des 1907 gegründeten Deutschen Werkbundes gehört er zudem einer Bewegung an, die die bis heute anhaltende ästhetische Diskussion entscheidend mitträgt.
Böse Dinge - das hört sich nach moralischen Ungeheuerlichkeiten an. Pazaurek geht es bei seiner Kategorisierung der Dinge um Ausführung, Gestaltung und Funktionsfähigkeit. Er unterteilt die Objektwelt in verschiedene Kategorien des Kitsches - angefangen vom Religiösen Kitsch über den Jägerkitsch oder Fremdenandenkitsch.
In einer Zeit des Umbruchs, als Anfang des letzten Jahrhunderts industriell gefertigte Massenprodukte zunehmend Verbreitung finden und man zwischen alten Schnörkelmöbeln und modernem Werkbund-Design lebt, wird zunehmend über "gute Form" und die Qualität der Dinge nachgedacht. Dass diese Diskussion noch lange nicht vorbei und Pazaurek nach wie vor aktuell ist demonstriert nun das MKG in Hamburg, welches Objekte aus Pazaureks Abteilung der Geschmacksverirrungen mit modernen "Designsünden" und "Kitsch" konfrontiert.
Und dass in Zeiten, in welchen Künstler wie Koons Terrier-Vasen produzieren und diese als Kunst deklarieren die Frage um den guten Geschmack noch lange nicht beantwortet ist, versteht sich von selbst. Deshalb bin ich unglaublich gespannt auf die "Bösen Dinge" und freue mich euch hoffentlich bald davon berichten zu können!
Spannende Artikel zu Thema gibt es hier:
http://www.mkg-hamburg.de/
http://www.museumderdinge.de/
http://sz-magazin.sueddeutsche.de
http://www.spiegel.de
http://www.sonntagszeitung.ch
http://www.goethe.de
Einen Einblick in Pazaureks Überlegungen gibt es hier.
Abbildung:
http://www.mkg-hamburg.de/de/ausstellungen/aktuell/boese-dinge.html
Sonntag, 2. Juni 2013
Max Ernst - Eine Einführung
Kurz und kompakt gibt Raphael Bouvier, Kurator der aktuellen Max Ernst-Ausstellung in der Fondation Beyeler, im Video einen Einblick in das Werk des Künstlers.
Informationen zur Ausstellung und einen höchst Informativen Blog gibt es hier.
Die Ausstellung ist noch bis zum 8. September zu sehen. Ich werde natürlich mein Möglichstes tun um sie mir anschauen und dann berichten zu können :-)
Informationen zur Ausstellung und einen höchst Informativen Blog gibt es hier.
Die Ausstellung ist noch bis zum 8. September zu sehen. Ich werde natürlich mein Möglichstes tun um sie mir anschauen und dann berichten zu können :-)
Donnerstag, 30. Mai 2013
Kunststück der Woche: Das Schokoladenmädchen
| Jean-Étienne Liotard (1702-1789): Das Schokoladenmädchen (1743-45), Pastell auf Leinwand, 82,5 x 52,5 cm, Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden. |
Man hört förmlich wie bei jedem Schritt der Stoff der gestärkten weißen Schürze leise knistert. Und auch der sanft schimmernde schwere taubengraue Stoff des Unterkleides hat eine Materialität welche ihm Betrachter das Bedürfnis weckt mit der Hand darüber zu streichen und das feine Gewebe zu berühren. Mit ernsthafter Konzentration
Samstag, 11. Mai 2013
Groß, größer, Makart!
Viel zu lange habe ich es nicht mehr geschafft etwas zu schreiben. Deshalb geht es zum Ausgleich mit etwas Monumentalem weiter, quasi als Ausgleich :-)
Immer wenn ich mit Freunden oder Besuchern die Hamburger Kunsthalle besuche kann ich sicher sein, dass sie im Makart-Saal erst einmal staunend stehen bleiben. Und meist kommt dann die Aussage, dass man so ein großes Bild nun wirklich noch nicht gesehen hat.
In der Tat: Hans Makart macht ordentlich Eindruck. Mit den Maßen von 520 x 952 cm bringt das Bild "Der Einzug Kaiser Karl V. in Antwerpen" von 1878 es auf 50 qm Leinwandfläche. Gezeigt wird der festliche Einzug des jungen Kaisers in Antwerpen am 23. September 1520. Anregung und Ausgangspunkt für das Gemälde war eine Notiz Albrecht Dürers
Immer wenn ich mit Freunden oder Besuchern die Hamburger Kunsthalle besuche kann ich sicher sein, dass sie im Makart-Saal erst einmal staunend stehen bleiben. Und meist kommt dann die Aussage, dass man so ein großes Bild nun wirklich noch nicht gesehen hat.
In der Tat: Hans Makart macht ordentlich Eindruck. Mit den Maßen von 520 x 952 cm bringt das Bild "Der Einzug Kaiser Karl V. in Antwerpen" von 1878 es auf 50 qm Leinwandfläche. Gezeigt wird der festliche Einzug des jungen Kaisers in Antwerpen am 23. September 1520. Anregung und Ausgangspunkt für das Gemälde war eine Notiz Albrecht Dürers
Donnerstag, 25. April 2013
Henry van de Velde zum Gedenken: Das Jubiläumsjahr
![]() |
Großen Einfluss hatte van de Velde auf das Bauhaus
Montag, 22. April 2013
Ausdruckskraft der simplen Formen: der Streetart-Künstler Stik
Dienstag, 16. April 2013
Nightlife im Museum: Die "Junge Kunstnacht" in Hamburg am 26.4.2013
Hier macht Kunst einfach nur Spaß, sie darf gefallen oder auch nicht gefallen, egal, einfach weiter zum nächsten Cocktail und dann zur nächsten Führung, vielleicht gibt es da was womit man mehr anfangen kann?! Interessant bleibt es immer, zumal wenn es um den Diskurs geht. Denn in all den Jahren die ich selbst Führungen gemacht oder auch als Gast anwesend war war das stets ein großer Teil des Events der auch im Nachhinein weiter stattgefunden hat. Und beweist dass Kunst eigentlich hochaktuell und für ein breites Publikum spannend ist - es kommt ganz einfach auch auf die Präsentationsform und die Herangehensweise an. Hürdenabbau ist hier das Schlagwort...
Insofern: viel Spaß!
Die Junge Kunstnacht findet in der Galerie der Gegenwart am Freitag, 26. April 2013, ab 21 Uhr. Tickets Kosten im Vorverkauf 5 bzw 3,50 Euro und an der Abendkasse 7 bzw. 5 Euro.
Infos und das Programm gibt es hier.
Freitag, 12. April 2013
Passt es nun oder passt es nicht? Gerhard Richter und der Kölner Dom
Passt es nun oder passt es nicht? Gerhard Richters 113 Quadratmeter großes Südquerhausfenster für den Kölner Dom hat eine große Debatte ausgelöst und die Gemüter erhitzt. Die Abstraktion wird ihm vorgeworfen, das Fenster erinnere zu sehr an die digitale Computerkultur bzw. an Pixel, es zeige nicht den christliche Glauben, es erinnere zu sehr an Richters erste, durch den Zufall generierte Arbeiten... Die Liste der Vorwürfe ist lang.
Abonnieren
Posts (Atom)



